(4 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Wo in Zukunft das Möbel haust

28.10.2013 | Kommentare
2

… ist durchaus umstritten. Schaut man auf die Investitionen der Möbelhändler, dann liegt das Potenzial im Ausbau der stationären Fläche. Branchenprimus IKEA rechnet mit 20 neuen Filialen in Deutschland in den nächsten 10-15 Jahren. Auch die anderen Großen investieren, XXXLutz circa 100 Millionen in drei neue Filialen und die Krieger Gruppe, zu der Höffner, Möbel Kraft und Sconto SB gehören, plant mit einer großen Filialneueröffnung pro Jahr. Zudem hat auch die Poco Gruppe erst vor kurzem ihr 100. Haus eröffnet und sieht Potenzial für 30-40 weitere zuzüglich kleinere Poco SB Lagerkauf Geschäfte. Weitere, kleinere Möbelhausketten investieren ebenfalls weiterhin massiv in die Fläche.
Im Grunde genommen wollen alle größeren Player stationär weiterhin expandieren und das angesichts eines seit Jahren eher konstanten, leicht zurückgehenden Umsatzvolumens, welches mit Hinblick auf die demografische Entwicklung in Deutschland kaum besser werden dürfte. Man muss kein promovierter Mathematiker sein, um vorauszusagen, dass sich diese Strategie zumindest nicht für alle auszahlen wird. Online und mobile hingegen sehen die meisten noch skeptisch: Kannibalisierung, fehlendes IT-Know-how, „Möbel sind kein Online-Gut“ und ein fehlendes Fulfillment Konzept sind hier die meistgehörten Argumente.


Händler und Studienergebnisse widersprechen sich
Schaut man auf Analysten, aktuelle Studien oder Branchenexperten, dann herrscht dort der einheitliche Tenor, dass die größten Wachstumschancen in den digitalen Kanälen online und mobil sowie im orchestrierten Zusammenspiel der neuen Kanäle mit dem stationären Geschäft liegen. Im Jahr 2012 machte der Online-Umsatz im deutschen Möbelhandel 4% (627 Mio Euro) des Gesamtumsatzes aus. Wem das noch marginal erscheint, den beeindruckt vielleicht eine vom IFH Köln geschätzte Wachstumsquote von 40% allein in 2013. Neben der Annahme, dass die digitalen Kanäle im Möbelhandel wichtiger werden, sehen die meisten Experten Multi- und Cross Channel Lösungen als zukunftsfähige Wachstumsstumsstrategien. So hat beispielsweise ein e-Bay Projekt unter dem Namen „Zukunft des Handels“ erst kürzlich Ergebnisse einer aktuellen Kundenbefragung veröffentlicht, wonach 75% es wichtig fanden, dass Händler Produkte online und stationär anbieten. Auch Click & Collect ist zumindest für 25% der Kunden ein großes Thema, 73% davon kaufen im Ladengeschäft auch zusätzliche Artikel wie die Studie zeigt. In die gleiche Kerbe schlägt die aktuelle IFH Studie „Möbel Online 2013“. Hier sehen die Verantwortlichen des IFH enormes Wachstumspotenzial online und 60% der befragten Konsumenten sind der Meinung, dass der Online-Kauf von Möbeln künftig zum Alltag gehören wird wie die Bestellung von Kleidung im Internet.


Ein Blick in die (triste) Realität
Jetzt glauben auch wir bei kanalegal nur den Studien, die wir selbst erstellt haben. Wer hat also Recht? Auf stationär setzende Händler oder Fachexperten mit digitalem Stallgeruch? Wie zeigt sich der Möbelmarkt denn derzeit in der Praxis? Während frühere Generationen viel Wert auf (oft lebenslange) Haltbarkeit der Möbel gelegt haben, dominierten, unterstützt durch die Invasion von IKEA seit den 90er Jahren eher preislich günstige Möbel den deutschen Markt. Während sich der Kunde bei IKEA nach längerer Fahrt in die Peripherie auf ein prämiertes Verkaufskonzept freuen kann, schmeckt der Einkauf im Standard Möbel Center eher nicht nach Einkaufserlebnis. Unübersichtliche, riesige Hallen laden zum Herumirren ein, oft schlecht motivierte Verkäufer, Mondrabatte und ein überschaubares Produktsortiment runden den negativen Eindruck ab. Oft münden die genannten Umstände in einem zeitraubenden Tingeln von Möbelhaus zu Möbelhaus mit dem Ergebnis der Käuferfrustration. Die Alternative wären engagierte Nischenhändler oder Einrichtungsexperten, die ihre Kunden zu Hause besuchen. Ersteres bleibt auf die lokale Nische begrenzt, Letzteres können sich nur die wenigsten leisten. Beste Chancen also für etwas Neues – nicht nur in den Ausprägungen online und mobile, sondern durch neue Filialkonzepte.


Was Kunden wollen
Kunden, die erschöpft sind von Möbelhausmarathons, die zu individuell sind für Massenmöbel à la Billy oder Pax und die sich individuelle Anfertigungen aber nicht leisten können oder wollen, suchen ganz gezielt nach anderen Möglichkeiten. Diese finden sie vermehrt im Internet oder bequem auf ihrem Tablet. Zugriff auf das gesamte Sortiment, Zeitersparnis, detaillierte Produktinformationen, spielerisches Konfigurieren und Freiheit in der Auswahl der Auslieferungsart sind nur einige Vorteile, die eine Umsatzverschiebung von stationär zu digital im Möbelhandel begründen. So möchten viele Käufer mehr über ihre Einrichtungsgegenstände erfahren, ihre Küche in 3D planen, anstatt stundenlang Kataloge zu wälzen und bestellen über den ihnen passendsten Kanal: Die Küche im Geschäft, den Esstisch online und das vergessene Regal mal schnell via Smartphone unterwegs. Die Händler müssen sich darauf einstellen, wenn sie am Erfolg der digitalen Kanäle partizipieren wollen. Derzeit sind die digitalen Kanäle für viele Möbelhändler noch ein notwendiges Übel, mit dem man sich lieber erst übermorgen als heute beschäftigen möchte. Ohne das Anfassen und die persönliche Beratung im Möbelhaus, werden nur wenige Kunden Einrichtungsgegenstände kaufen, so die Kernaussage. Dabei wiederlegen neue Spieler im Möbelhandel wie die Berliner Firma fashionforhome oder die Erfolgsstory von Butlers diese Punkte ziemlich einfach: mit kostenlosen Stoffproben, hochwertiger Produktinformation und kanalübergreifender Beratung. Der Kuchen im Möbelhandel wird über die nächsten Jahre neu verteilt. Händler, die es jetzt schaffen, Kunden kanalübergreifend zufrieden zu stellen, werden zu Lasten der anderen profitieren. Die stationäre Fläche bleibt Aushängeschild Nummer 1, wird in Summe aber abnehmen, so wie wir es derzeit schon in anderen Branchen wie dem Buchhandel erleben. Und so wird es auch bei Segmüller nicht nur die Filiale sein, wo in Zukunft das Möbel haust.

(4 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...
  1. Dietmar Horn am 30.10.2013

    Danke für den sehr interessanten Artikel!
    Es gibt bereits sehr gute Beispiele im Online-Möbelhandel:

    Butlers verkauft mittlerweile sehr erfolgreich Möbel online:
    http://www.butlers.de/moebel/Moebel,default,sc.html

    Dabei kann der Kunde z.B. mittels (augmented reality) App auf dem Smartphone überprüfen, ob das Möbel in die eigene Wohnung passt.

    Neben Web und Mobile/Tablet setzt Butlers innerhalb der Omni-Channel Strategie auch erfolgreich Kataloge („Wohnstücke“) als Medium ein:
    http://www.butlers.de/Kataloge/Butlers-Kataloge,default,pg.html

    Pionier ist Butlers bei der Videoberatung, direkt aus einer Berliner Filiale heraus:
    http://www.butlers.de/Videoberatung/videoberatung_lp,default,pg.html

    Butlers hat soeben (29.10.2013) den Award „Bester Online Versender“ auf dem NEOKOM Versandhandelskongress in Düsseldorf gewonnen. Gratulation!

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.