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Wie digitale Geschäftsmodelle die Logistikbranche verändern

10.08.2018 | Kommentare
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Mit der Weiterentwicklung des IOT vernetzen sich Menschen, Daten und Maschinen immer mehr. Schnelligkeit, Flexibilität und Kontrollierbarkeit haben auch Auswirkungen auf die Prozesse in der Logistikbranche. Die neuen smarten Akteure, wie elektronische Plattformen, bedrängen die traditionelle Logistik. Geschäftsmodelle aus Handel und Produktion verbinden sich immer mehr mit der Logistik und beschleunigen die Innovationsprozesse – die Logistikbranche braucht neue Geschäftsmodelle, um das Potenzial gewinnbringend umsetzen zu können. Wie sich  die Geschäftsmodelle  verändern werden und wie sich Unternehmen jetzt vorbereiten müssen, betrachten wir in diesem Artikel.

 

 

Herausforderungen digitaler Trends in der Logistikbranche

Mit mehr als drei Millionen Beschäftigten und ca. 258 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2016 ist die Logistikbranche der drittgrößte Wirtschaftsbereich Deutschlands – wie eine Studie der Bitkom zeigt, erwarten drei Viertel der befragten Unternehmen, dass die Verbreitung datenbasierter Technologien die Beschäftigten unterstützen. 58 % sind der Überzeugung, dass autonome Drohnen die Inventur des Lagerbestands übernehmen werden. Dass Waren mit autonomen Fahrzeugen transportiert werden, erwarten 57 %. Immerhin 47 % gehen davon aus, dass Drohnen und Lieferroboter Produkte sogar bis zum Kunden bringen.

 

Drei Viertel der Befragten sehen die Digitalisierung als Herausforderungen für die Logistik. Die Unternehmen scheuen sich nicht vor Investitionen in die Digitalisierung, aber vielen fehlt das Know-how um die digitale Transformation aktiv mitzugestalten. Die Mehrzahl der Unternehmen sieht im digitalen Wandel der Logistikbranche Vorteile, wie z.B. die langfristige Senkung von Kosten, einen beschleunigten und umweltschonenden Transport sowie weniger Fehler in der Transportkette .

 

Bitkom

 

Weitestgehend autonome Lagertechnologien und Gadgets für den Menschen bestimmen derzeit den digitalen Wandel der Logistik. Fahrerlose Staplersysteme, smarte Container, Lagerrobotor oder Datenbrillen werden von einigen Unternehmen bereits verwendet. Der Mensch wird nicht verdrängt, vielmehr unterstützen die neuen Technologien die Arbeit und machen die Logistikbranche im digitalen Alltag wettbewerbsfähig. Mit dem Einsatz von digitalen Technologien, wie z.B. Predictive Maintenance, würden Unternehmen einen deutlichen Vorteil gegenüber Wettbewerbern erlangen, wenn sie das entsprechende Know-how in ihren Betrieb holen und halten können. Eine vorrausschauende Wartung ist zunächst eine kostenintensive Umstrukturierung, hilft aber im Nachhinein hohe Reparaturkosten zu vermeiden. Diese und weitere Umsetzungen der digitalen Möglichkeiten erfordern Planung und Mut, doch vielen fehlt in erster Linie fachliches und digitales Wissen. Die Digitalisierung bringt Logistikunternehmen in Abhängigkeiten – nicht mitzuziehen kann das zukünftige Bestehen am Markt gefährden. Der dadurch entstehende Druck wird z.B. im Bereich der Spediteure deutlich spürbar – sie befürchten, Wettbewerbsvorteile einzubüßen, wenn sie im Rahmen der Digitalisierung mit anderen Wettbewerbern kooperieren müssen. Doch Kooperation kann durch gegenseitige Unterstützung und Austausch von Wissen und Technologie ein Schlüssel zum Erfolg sein.

 

Die Herausforderung besteht zunächst im Umbau der Technik, Infrastruktur und Veränderung des Mindsets der Mitarbeiter. Die Umsetzung vieler innovativer Digitalprojekte scheitert oft am Mangel valider Inputdaten und/oder Effizienz, alles organisatorisch sowie technisch auf den gleichen Standards zu halten. Der Ausbau der Zusammenarbeit in der Logistikbranche ist unabdingbar – Produzent, Transporteur und Abnehmer müssen wechselseitig auf Daten zugreifen können, damit Projekte wie selbstfahrende Fahrzeuge oder ein sich selbst organisierendes Lager funktionieren können.

 

Unvorhergesehenes ist in der Logistik nicht ungewöhnlich – Flexibilität ist daher wichtig, denn es müssen neue Abwicklungslösungen entwickelt werden, die außerhalb der digitalen Prozesse und Maschinenanlagen effizient funktionieren. Z.B. zeigen die Produktionsschwierigkeiten beim Tesla 3, dass digitalisierte Abläufe noch kein Garant für ein reibungsloses Funktionieren sind. Ein solider Bestandteil an Personal ist die Voraussetzung, dass auch im neuen digitalen Umfeld die Prozesse in Ausnahmesituationen weiterhin manuell abgewickelt werden können. Die Digitalisierung wird die Prozesse in Zukunft unterstützen, aber nicht ersetzen.

 

 

Neue Geschäftsmodelle

Im Vordergrund der Veränderungen steht die Interaktion von Mensch und Maschine. Das Ziel ist nicht den Menschen zu ersetzen, sondern seine Arbeit mit der Effizienz und der Leistungsfähigkeit von intelligenten Maschinen zu verknüpfen.

 

Nach Einschätzungen der Experten von Roland Berger wird es zukünftig wahrscheinlich vier große Geschäftsmodellgruppen am Markt geben:

1. Buchungs- und Optimierungsplattformen werden das traditionelle Geschäft von Transportunternehmen effizienter und kostengünstiger gestalten. Durch eine direkte Vernetzung von Kunden und Logistikdienstleistern werden Abwicklungen und Transportkapazität optimiert & Frachtkosten gesenkt.

 

2. Frachtführer und Terminalbetreiber sind weiterhin ein entscheidender Teil der Wertschöpfungskette – in Zukunft müssen sie Größenvorteile & neuste Technologien nutzen, um die Auslastung und Kosten zu optimieren. Denkbar wäre z.B. der Aufbau einer eigenen Online-Plattform in Kooperation mit anderen Frachtführern oder Terminalbetreibern.

 

3. Lieferprozesse werden weiterhin industriespezifisches Know-how erfordern – um die immer komplexer werdenden Lieferketten effizienter und transparenter zu gestalten, müssen spezialisierte Nischenanbieter ihre Prozesse stärker automatisieren. Das stellt Unternehmen vor Herausforderungen: Sie müssen innovativ sein, dürfen Technologiesprünge nicht verpassen und müssen preislich wettbewerbsfähig bleiben. Die Zusammenarbeit mit digitalen Service-Providern kann daher sinnvoll sein.

 

4. Die Service-Provider stellen Softwareprodukte & Lösungen für Sammlungen und die systematische Auswertung großer Datenmengen sowie andere digitale Dienstleistungen zur Verfügung. Egal ob Online-Bezahlsysteme, GPS-Trackingsysteme oder eine automatisierte Zollabwicklung – Service-Provider sind das Kernstück der digitalen Logistik, durch die die Abwicklung von Geschäften erst möglich wird.

 

Um diese Geschäftsmodelle konkret umzusetzen, sind selbst kleine Schritte in Richtung Digitalisierung wichtig, wie beispielsweise die Automatisierung durch Robotik mithilfe von Wearables/Mobile Devices. Echtzeitinformationen über den Lager- und Lieferzustand werden z.B. durch Datenbrillen der Mitarbeiter übermittelt. Werables unterstützen außerdem per Augmented Reality in Echtzeit konkrete Anweisungen und führen Mitarbeiter durch die Kommissionierungsprozesse – dadurch können Fehlerquoten reduziert und die Arbeitsgeschwindigkeit erhöht werden. Für die Verwendung smarter Logistiklösungen sind valide Daten und eine lückenlose Vernetzung unabdinglich – das erfordert moderne IT-Infrastrukturen sowie Investitionsbereitschaft.

 

 

Nachhaltigkeit in der digitalen Logistik

Bitkom

 

Eine umweltschonende Logistik wird für viele Unternehmen immer wichtiger. Bis 2050 will Deutschland seinen Co2-Ausstoß um knapp 90 % reduzieren. Das wird auch für die Logistikbranche zur Herausforderung, denn die Landwirtschaft wird unvermeidlich weiter Treibhausgase produzieren – die Logistik muss also ausgleichen. Die Generalüberholung der Supply Chain-Hardware hat oberste Priorität. Lieferdrohnen von Amazon, Elektroautos- und LKWs ohne Emission oder Hybrid-Oberleitungen für Fern-LKWs zeigen, wie ein effizienter und umweltschonender Transport funktionieren könnte.

Der Kern einer effektiven Logistik ist die funktionierende Lieferkette, die sich durch digitale Technologien immer mehr verändert. Die Veränderungen in anderen Bereichen bedingen daher die logistischen Umstrukturierungen: Ohne die Energiewende gibt es keine Hybrid-Oberleitungen, das Schienennetz kann nur vergrößert und mit maximaler Effizienz genutzt werden, wenn sich Big Data-Technologien weiterentwickeln. Durch die Auswertung dieser Daten können Routen mithilfe eines genauen Tracking besser geplant werden – die Supply Chain besser zu kalkulieren ist die Grundvoraussetzung einer nachhaltigen Logistik. Trotz Umweltschonung muss eine rentable Auslieferung der Waren gegeben sein – wenn Transportmittel wie der LKW neu gedacht werden, ist eine grüne Logistik lohnenswert, finanzierbar und umsetzbar.

 

 

Was müssen Logistikunternehmen jetzt ändern?

Die Entwicklung eines individuellen digitalen Fahrplans bedingt die Nutzung der Chancen, die die Digitalisierung bietet. Zunächst müssen potentielle Umsatz- und Gewinnverluste durch neue digitale Geschäftsmodelle ermittelt werden. Anschließend sollten eine Festlegung der künftigen strategischen Ausrichtung und eine Definition der Maßnahmen erfolgen. Sowohl beim Management als auch beim gesamten Unternehmen muss ein digitales Umdenken stattfinden. Ein stabiler Businessplan, die frühzeitige Suche von Finanzierungspartnern und eine ausgereifte digitale Agenda sind die wichtigen Schritte.

Eine frühzeitige Anpassung an den digitalen Wandel bringt später eine höhere Flexibilität. Es ist wichtig, das eigentliche Problem der Umsetzung von neuen Technologien anzupacken, bevor in Pioniertechnologien investiert wird, die bald wieder von anderen abgelöst werden. Die Digitalisierung wird die Logistikbranche weiterhin stark beeinflussen, denn eine smarte und nachhaltige Logistik wird immer wichtiger angesichts der modernen Anforderungen.

 

 

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