(2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Sport goes digital – Was die Digitalisierung für die Sportorganisationen bedeutet

29.12.2016 | Kommentare
0

Die digitale Transformation und die damit verbundene Veränderung der Unternehmensprozesse gestaltet Märkte, Interaktionen und Beziehungen neu. Auch die Sportbranche muss sich diesen Veränderungen stellen und die Geschäftsprozesse neu gestalten. Besonders die Fans erhalten durch die digitale Omnipräsenz des Sports eine immer stärker werdende Machtposition gegenüber den Vereinen. Für Sportorganisationen spielen der Fan und dessen Gepflogenheiten daher eine zentrale Rolle innerhalb des digitalen Transformationsprozesses. Denn neben den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gepflogenheiten verändert die Digitalisierung auch zunehmend das Verhalten der Fans außerhalb und innerhalb der Stadien.


Am 05. Februar 2017 findet eines der größten Einzelsportevents der Welt statt: der Super-Bowl, das Finale der amerikanischen National Football League. Weltweit werden dieses Event wieder über eine Milliarde Fans verfolgen und sich über den Wettkampf der amerikanischen Helden um die begehrte Lombardi-Trophäe unterhalten. Stichwort Unterhalten: während des letztjährigen Finales zwischen den Carolina Panthers und den Denver Broncos verzeichneten die sozialen Medien über 13 Millionen Posts in direktem Zusammenhang mit dem Super-Bowl. Das Sportevent als solches spielt sich somit nicht mehr nur auf dem Spielfeld und den Rängen ab sondern überträgt sich zeitgleich auch in die digitale Welt. Studien aus den USA zeigen bereits seit einigen Jahren Tendenzen bei Zuschauern, die das Stadion verlassen, sollte es nicht möglich sein auf die sozialen Medien, Instant-Messaging-Dienste oder das eigene E-Mail-Postfach zugreifen zu können. Insbesondere für die Gruppe der Digital Natives ist die ständige Anbindung an das Internet essenziell, um ihre Freunde über das aktuelle Geschehen zu unterrichten. Die sich in den USA abzeichnenden Trends spiegeln sich auch in den deutschen Profiligen wider. So nutzen über die Hälfte der Profivereine der Deutschen Fußball Bundesliga bereits mobile Apps um mit ihren Fans in Kontakt zu treten. Auch die Ausstattung der Sportstätten erhält eine zunehmende Digitalisierung. So haben die beiden deutschen Aushängeschilder im Fußball, Bayern München und Borussia Dortmund, bereits frühzeitig erkannt, welchen Mehrwert der kostenlose Zugang zu WLAN im Stadion bietet. Ein Service der in den Profiligen der USA bereits weit verbreitet ist.

Auch das Serviceangebot wird sich in den nächsten Jahren verändern. Auch hier können die Vereine der amerikanischen Profiligen wieder als Vorbilder für deutsche Clubs herangezogen werden. Die Lieferung der bestellten Currywurst und des kühlen Biers an den Platz? In Zeiten von Amazon, Lieferando und Co. nicht allzu abwegig. Die virtuelle Navigation via Smartphone zum eigenen Sitzplatz? Nach Pokemón Go spielend möglich. Bonusprogramme und Sitzplatz-Upgrades für Dauerkartenbesitzer? Payback und Kundenkarten kennt doch nun wirklich schon jeder. Die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen und zeigt nur einen kleinen Ausschnitt an alltäglichen Features der Digitalisierung, wie sie uns Fans auch bei Sportveranstaltungen möglich wären. Der Besuch im Stadion zeigt allerdings, dass es bislang nur vereinzelt Vereine gibt, die ihren Fans ein solch umfassendes digitales Angebot zur Verfügung stellen.

Aus strategischer Sicht besteht den Zahlen nach zu urteilen, bislang kein akuter Bedarf, eine umfassende Transformation vorzunehmen. Jedes Jahr vermeldet bspw. die Deutsche Fußball Liga steigende Zuschauer- und Umsatzzahlen. Und gerade was die Zuschauer angeht, ist die Erste Fußball Bundesliga eine der Topligen weltweit. Dennoch werden sich die Ansprüche der Fans in den nächsten Jahren weiterentwickeln und die Vereine werden gezwungen sein, den digitalen Standard zu bieten, den die Zuschauer gewohnt sind.


Wie könnte das Stadion der Zukunft aussehen?

Eine einheitliche Lösung lässt sich hierbei nicht definieren. Die Voraussetzungen der Vereine und auch der deutschen Profiligen könnten unterschiedlicher kaum sein. Daher ist die Basis der Digitalisierung die Individualität. Dennoch gibt es grundlegende Lösungscluster die das Stadionerlebnis digital bereichern können.


1. Dem Angebot an digitalen Services liegt die IT-Infrastruktur zu Grunde. Soll den Zuschauern die Möglichkeit einer Essensbestellung über die App angeboten werden ist es zwingen erforderlich die Vernetzung der Anbieter voranzutreiben.

2. Neben der IT-Infrastruktur ist eine strategische Ausrichtung der Digitalisierung zusammen mit den branchenspezifischen Veränderungen notwendig. Die Einbindung einzelner digitaler Lösungen ist dafür nicht zielführend.

3. Die Bedürfnisse der unterschiedlichen Anspruchsgruppen müssen in die Leistungserstellung mit einbezogen werden. Für Vereine bedeutet dies die individuelle, digitale Customer Journey und die Wünsche darin abzubilden.


Auf Basis dieser Strategie und Infrastruktur lassen sich für Vereine unterschiedliche digitale Angebote aufzeigen, die den Fans, Sponsoren, Mitarbeitern und Dienstleistern zusätzlichen Service liefern sollen. Dabei kann eine mobile Applikation als zentrales Element (sozusagen als Second-Screen) für den Stadionbesuch genutzt werden.


• Um dem sog. Silvester-Effekt vorzubeugen und den Fans den durchgängigen Zugang zum Internet zu ermöglichen, ist die Ausstattung der Wettkampfstätte mit frei zugänglichem WLAN notwendig

• Die Bereitstellung von Echtzeit-Informationen zum Spielgeschehen beugt den vielen Dienstleistungen von Live-Übertragungen, Live-Tickern und Second-Screen Angeboten vor und lockt die Fans vom heimischen Sofa in das Stadion

• Die Vernetzung mit sozialen Medien zeigt in Echtzeit aktuelle Trends in direktem Zusammenhang mit dem Sportereignis

• Digitale Anzeigen leiten den Fan zu den Sitzplätzen, Toiletten oder Verzehrständen und informieren über mögliche Wartezeiten in Echtzeit. Werbepartner, Sponsoren und Dienstleister erhalten die Möglichkeit zielgruppenrelevante Marketingbotschaften zu platzieren

• Mobile Servicestationen beantworten Fragen und informieren Fans über die aktuellen Geschehnisse

• Die mobile Vereins-App vereint Informations-, Service-, Sales- und Marketingangebote

• Der direkte Kontakt zu den Fans wird mithilfe von Gewinnspielen, digitaler Interaktion und Bewertungen zu einem festen Bestandteil

• Second-Screen Angebote für zusätzliche Kameraeinstellungen, Wiederholungen oder Szenen aus anderen Partien werden mithilfe Virtual-Reality-Angeboten in der App abgedeckt


Die Erkenntnisse der Notwendigkeit einer digitalen Transformation aus anderen Branchen spiegeln sich auch in der Sportbranche wider. Im Gegensatz zu anderen Branchen haben die Sportorganisationen jedoch den Vorteil, dass keine gleichwertigen Komplementärgüter zur Verfügung stehen und der Sport in der Gesellschaft als sozialer Mittelpunkt verstanden wird. Dennoch muss sich auch die Sportbranche auf einen Wandel einstellen und sich an den digitalen Bedürfnissen der Gesellschaft orientieren. Das Geschehen auf dem Platz wird auch weiterhin das zentrale Begeisterungselement des Sports bleiben – digitale Angebote können jedoch das Gesamtpaket „Sportevent“ weiter aufwerten und zur Begeisterung auch abseits des Platzes führen

(2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.