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Shoppingcenter im Umbruch – Wie der E-Commerce den stationären Handel verändert

30.05.2018 | Kommentare
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Der große Bauboom der Einkaufszentren stagniert– während in den vergangenen zwei Jahrzehnten  mehr als 10 Shoppingcenter pro Jahr eröffnet wurden, waren es 2016 lau EHI bundesweit nur noch drei. Im Jahr 2017 hat kein Shoppingcenter neu eröffnet. Die „Malls“ in zentraler Lage sind nach wie vor beliebt – doch werden ihnen von Experten einige fundamentale Veränderungen vorausgesagt. Der Grund? Der E-Commerce ist auf der Überholspur. Wir geben in diesem Artikel einen Einblick in die Entwicklung des Handels der Zukunft.

 

 

 

Shoppingcenter und Online-Handel im Duell

Blicken wir ein paar Jahre zurück: der internetbasierte Handel setzte 2012 in Deutschland 28 Milliarden Euro um, während der gesamte traditionelle Einzelhandel ca. 389 Milliarden Euro umsetzte.

 

Statista.de

 

2017 lag der Umsatz des traditionellen Einzelhandels in Deutschland bei ca. 512,8  Milliarden Euro, im E-Commerce bei 48,9 Milliarden. Im Jahr 2018 wird eine Steigerung fast des doppelten Umsatzes im Online-Handel im Verlgleich zum Jahr 2012 erwartet – der E-Commerce wächst, doch was wird aus dem stationären Handel, insbesondere den Shoppingcentern?

 

Die Gewinne beider Handelsbereiche wachsen jährlich. Genaue Zahlen zum Umsatz der Shoppingcenter lassen sich kaum finden.

 

Zur Orientierung wenden wir uns deshalb dem Unternehmen ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG zu. In dessen Besitz findet sich ein Großteil der deutschen Shoppingcenter, wie z.B. das PEP München, die Europapassage Hamburg, das MyZeil Frankfurt, die Potsdamer Platz Arkaden Berlin oder die Altmarktgalerie Dresden. Mit insgesamt 4,4 Millionen Besuchern täglich und rund 200 Einkaufstempeln, erwirtschafteten die Center 2015 einen Einzelhandelsumsatz von 23 Milliarden Euro (national und international).

 

Zum Vergleich wenden wir uns den Top 10 Onlineshops 2016 in Deutschland zu:

Statista.de

 

Allein der Online-Versandhändler Amazon erwirtschaftet 2016 8,1 Milliarden Euro. Wir können davon ausgehen, dass der Internetriese die Umsatzzahlen einiger deutscher Shoppingcenter der ECE-Gruppe überholt hat.

 

 

Vergleich zur Schweiz

 

In der Schweiz fand 2017 erstmals ein direkter Vergleich der Umsatzzahlen der größten Schweizer Shoppingcenter mit denen der größten Online-Händler statt – die Top 10 der Onlineshops haben die Top 10 der größten Einkaufspaläste überholt.

 

Carpathia.ch

 

Während das umsatzstärkste Shoppingcenter, das Einkaufszentrum Glatt im Vergleich zum Vorjahr 2016 keine Umsatzveränderung mit 601 Millionen CHF hatte, wuchs der Umsatz des erfolgreichsten Onlineshops digitec.ch/galaxus.ch um 18,5 % auf 704 Millionen CHF. Insgesamt wuchs der Schweizer E-Commerce um knapp 10 %, während der herkömmliche Handel seinen Umsatz nur um ca. 0,3 % steigern konnte.

 

Prognostiziert wird, dass der Online- und Versandhandel jährlich um 8 % zulasten des traditionellen Handels wachsen wird. Die Shoppingcenter erweisen sich in der Schweiz weiter als Auslaufmodelle.

 

 

Wie sieht die Zukunft des Handels aus?

 

Nicht alle Shoppingcenter werden die Veränderungen überstehen, in den USA gibt es bereits viele komplett verlassene ehemalige Einkaufstempel, die sogenannten „Death Malls“. Wie kann ein solches Ausmaß dem deutschen stationären Handel erspart bleiben?

 

Es gibt nicht die EINE Strategie, die allen Geschäften zum Erhalt helfen kann. Die Angebote im stationären Handel, insbesondere der Shoppingcenter, werden sich jedoch ändern – dem Kunden muss ein Einkaufserlebnis geboten werden. Der Einzelhändler sollte jedoch im Internet auffindbar sein, sonst existiert er für viele Kunden nicht mehr, denn größtenteils findet die erste Suchanfrage online statt.

 

Was muss also stärker in den Mittelpunkt rücken? Zum einen die Erlebnisqualität des Einzelhandels und zum anderen der Einsatz digitaler Elemente. Argumented und Virtual Reality helfen dem stationären Handel. In Amerika werden bereits Läden, z.B. der Marke Urban Outfitters, so für die Instagram-Generation umgebaut, dass das passende Setting ein Instagram-Foto aus dem Store perfekt abrundet.

 

Auch Features vom Webshop werden für den stationären Handel umgewandelt, beispielsweise durch das „Andere Kunden kauften auch“-Feature bei Amazon Books – für den Kunden soll das bestmögliche Kauferlebnis geschaffen werden.

 

Zwar fallen die Umsätze der Center teilweise, jedoch wächst das Konsumverhalten der Deutschen. Nachdem sich der Bauboom der 1990er bis 2010er-Jahre reduziert hat, rechnet das EHI wieder mit einem Wachstum, mittels Umstrukturierungen, Modernisierungen und Erweiterungen der bestehenden Shoppingcenter.

 

In der weltweiten Studie „The Furniture of Shopping Centers“ der Unternehmensberatung A.T. Kearney, wird davon ausgegangen, dass der Online-Handel bis 2030 ca. ein Drittel des Einkaufsvolumens einnehmen wird. Doch der E-Commerce sollte nicht als Konkurrenz betrachtet werden, denn ein Multichannel-Ansatz bietet vielmehr die Möglichkeit einer smarten Verbesserung des Handels – Click & Collect oder Click & Reserve verhelfen dem stationären Handel bereits, E-Commerce-Strategien umsatzfördernd einzusetzen.

 

Die Shoppingcenter werden sich davon abwenden, ein reiner Verkaufsort zu sein – das MyZeil in Frankfurt bietet ab Ende 2018 neue Entertainment-Angebote, u.a. ein „Premium Kino“. Außerdem werden Center-Cafés/Restaurants den Einkaufstempel schmücken, wie das ab Frühjahr 2019 öffnende Gastro- und Entertainment-Angebot „Foodtopia“ mit Öffnungszeiten bis zwei Uhr früh.

 

Der Trend geht außerdem hin zu Pop-Up-Stores – dafür bietet auch das MyZeil bald die Möglichkeit. In kleineren Läden können dann neue Händler und Start-Ups für kurze Zeit ihre Produkte zum Verkauf anbieten oder neue Konzepte testen. Denn die Stärke eines Shoppingcenters ist nach wie vor die Präsentation der Ware vor Ort für den Kunden.

 

Nutzen und Erleben stehen in Zukunft im Vordergrund, denn wenn der Kunde Spaß hat, bringt er Geld in die Shoppingcenter. Dabei die themenparkähnlichen Innenarchitekturen, Übernachtungsmöglichkeiten für überregionale Kunden und E-Commerce-Services die Zukunft der Shoppingcenter. Einkaufen wird eine Unternehmung bleiben, trotz des wachsenden Online-Handels – mithilfe von Multichannel-Strategien werden die Einkaufstempel zu neuen modernen Hotspots.

 

Foto: Dieter de Vroomen

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  1. Membrs am 28.08.2018

    sehr inforamtiver Artikel. Hat mir sehr gefallen.
    Ich glaube nicht, dass der stationäre Handel aussterben wird. Es wird auch in 10-20 Jahren weiterhin die dicke Mall geben.
    Dafür hat das orts-ansässige-Geschäft gravierende Vorteile. Beispielsweise habe ich das Produkt, bevor ich es Kaufe, in haptischer Form vor mir. Sodass ich es begutachten kann. Bei mir ist es viel zu oft vorgekommen, dass ich z.B.Klamotten im Netz bestellt habe, die anschließend zu klein oder zu groß ausgefallen sind, oder doch nicht so cool gewirkt haben, wie auf dem Foto.
    Des Weiteren fehlt mir die anwesende Kaufberatung, besonders bei Hardware-Artikeln, ist mir das wichtig.
    Es gibt schon mehrere Initiativen die dem entgegenwirken , bzw die Schnittstelle schließen wollen. Membrs ist hierfür ein gutes Beispiel. Wer sich deren Konzept mal ansehen will, gerne vorbeigucken.
    https://membrs.de/

    Beste Grüße
    Felix

    Reply
    1. NathalieNathalie am 28.08.2018

      Hi Felix,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Optimal sind natürlich E-Commerce-Services, die den stationären Handel unterstützen, anstatt ihn zu verdrängen. Das stationäre Geschäft hat Vorteile, die der E-Commerce (derzeit) nicht bieten kann. Der Großteil der Kunden wird den stationären Handel weiterhin schätzen, genau aus den auch von dir genannten Gründen. Dennoch ist der Online-Handel auf dem Vormarsch und verändert das Kundenverhalten, Werbemaßnahmen, Einkaufsmöglichkeiten etc. – um die dadurch neu enstehenden Kundenerwartungen weiterhin erfüllen zu können, muss sich auch der stationäre Handel anpassen.

      Liebe Grüße
      Nathalie von Kanal Egal

      Reply

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