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Frisches E-Food bald auch in Deutschland?

20.04.2012 | Kommentare
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Lebensmittel im Netz zu bestellen ist nicht neu, aber in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Einen Umsatzanteil von bis zu 2 Prozent erwarten Vertriebsexperten der großen Handelsketten vom Verkauf von Lebensmitteln via Internet.

Eine ganze Reihe Start-Ups aber läuft ihnen inzwischen schon mal davon. Die Anbieter von Obst und Gemüse per Klick hoffen auf rasches Wachstum des Marktes. Doch im Moment haben 82 Prozent der deutschen Verbraucher noch keinerlei Erfahrung mit dem Online-Lebensmittelhandel. Das ergab eine Studie von der Unternehmensberatung A.T. Kearney in Kooperation mit der Universität Köln. Dieselbe Studie sieht aber auch Chancen, dass der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland bis zum Jahr 2016 von derzeit 0,2 Prozent auf 1,5 Prozent des gesamten deutschen Lebensmittelmarktes anwachsen könnte.

Gründe für den Online-Einkauf

Auch die Handelsgiganten wie Rewe oder Edeka wagen sich bislang nur testweise und auch nur in ausgewählten Städten mit kleinem Sortiment an den Start. Mit den Seiten Edeka24.und Rewe-online.de gibt es bisher erst ca. 300 Artikel des täglichen Bedarfs zu bestellen. Die Vertriebsstrategie der Ketten orientiert sich dabei am Filialnetz. Je nach Konzept können Kunden die Ware im Markt abholen oder nach Hause liefern lassen. Im Moment geht ihnen es aber noch darum, Erfahrungen im E-Commerce zu sammeln.

 

Auf dem Land gibt´s nur Paketversand

Die einen sammeln Erfahrungen, die anderen erobern den Markt. Denn die Zurückhaltung der großen Händler ist eine Chance für Start-Ups. Über 100 Hamburger Haushalte beliefert Supermarkt.de, das erst seit Ende 2011 im Web aktiv ist. Andere Großstädte sollen folgen. Doch jenseits der Metropolen kann ein klassischer Lieferservice den Markt nur schwerlich abdecken. Gerade auch mit Blick auf die Kosten.

Das geht. Allyouneed.com will das zusammen mit Partner DHL beweisen. Lebensmittel.de liefert bereits bundesweit – sogar Frischware. Amazon, das die Angebotsvielfalt mit mehr als 30.000 Artikeln über die zahlreichen Händler gewährleistet und Schnelldreher des Trockensortiments bereits über die eigene Logistik abwickelt, liefert über Handelspartner wie Amorebio auch Salate und Co aus.

Deutschland ist Entwicklungsland

Gibt es jetzt schon zu viele Wettbewerber? Der Markt ist im Prinzip riesig: Mehr als 150 Milliarden Euro geben die Deutschen pro Jahr für Lebensmittel aus.

Im Onlinegeschäft sind es gerade einmal 200 Millionen Euro, Nischenanbieter wie Mymüsli.de inklusive. In Großbritannien liegt der Marktanteil des Lebensmittelhandels am gesamten Onlinemarkt schon bei 19%. Die Lebensmittel-Umsätze erreichen online ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro. Allein Tesco.com setzt rund 2 Milliarden Euro um.

In der nahen Schweiz steht E-Food in ähnlich hoher Gunst. Die Schweizer Supermarktketten Migros mit LeShop.ch und Coop mit coop@home.ch setzen im Web zusammen über 200 Millionen Euro um. Christian Wanner, Mitgründer und Geschäftsführer von LeShop.ch, geht davon aus, dass im Jahr 2015 jeder fünfte Haushalt in der Schweiz Lebensmittel im Internet einkauft.

Entwicklung von LeShop.ch

Das lohnt sich für den Handel: Der durchschnittliche Warenkorb bei LeShop.ch ist ca. achtmal größer als der Einkauf im Laden.

Vielleicht muss man dieses Angebot den Deutschen erst mal schmackhaft machen. Mangelndes Vertrauen ist schließlich der Hauptgrund für die bisherige Zurückhaltung. Dem Salat aus dem Netz trauen die Deutschen noch nicht: 70 Prozent der Befragten bestellen laut Studie von A.T. Kearney nicht über das Internet, weil sie die Lebensmittel nicht sehen und fühlen können, 62 Prozent haben Bedenken bei der Produktqualität.

Womöglich sogar manchmal zu Recht. Denn noch nicht einmal der Branchenprimus Amazon beziehungsweise Partner, haben die Qualität vollends im Griff. Vor allem der Versand im Frischebereich funktioniert nicht immer optimal und so kommt es zu Meldungen über schlecht gewordene Früchte oder unakzeptable Mengen an Verpackungsmaterialien. Gerade wenn das bei einem Unternehmen wie Amazon passiert, wirft das ein negatives Licht auf den gesamten E-Food-Markt.

Dabei neigt auch der deutsche Kunde beim Essen zu Bequemlichkeit: 35 Prozent sind am Online-Service interessiert, hat die Unternehmensberatung Putz & Partner in einer repräsentativen Umfrage erfahren. Nur für 36 Prozent kommen sogenannte „Home-Delivery-Modelle“, also der Einkauf von Lebensmitteln im Online-Shop mit anschließender Lieferung an die Haustür, nicht infrage.

Besser kommen Multichannel-Konzepte beim Kunden an. Fast jeder zweite der Befragten der EHI-Studie „Trends im Handel 2020“ möchte das Konzept „Online-Bestellung, Filial-Kommissionierung und Selbstabholung“ bestimmt oder zumindest wahrscheinlich nutzen.

 Frische im Versand – Ein Risiko für das Offline-Image?

Das Kernproblem aber bleibt, gerade für die Vollsortimenter, die Frische – in der Stadt und auf dem Land. Fehler beim Versand in der Kühlkette könnten nicht nur das Online-Geschäft torpedieren, sondern auch schädlich für das Image der Filialen sein.

Das aber muss auch für den Handel bezahlbar bleiben. Dessen Zögern liege in der knappen Preiskalkulation von Frischeartikeln. Die geringe Marge kann einen aufwendigen Lieferprozess nicht kompensieren und wird schnell unrentabel. Zudem sind grundlegende Aspekte wie eine ausgefeilte Logistik, die effiziente Integration in den stationären Handel und das Anbieten eines großen, qualitativ hochwertigen Sortiments entscheidende Faktoren, die die Einführung eines Online-Shops behindern, sagt das E-Commerce-Center (ECC) Handel schon im Jahre 2009. Daran hat sich bislang nichts geändert.

 Kann Abo-Commerce den Deutschen zum Online-Lebensmitteleinkauf verführen?

Vielleicht muss man die Deutschen erst an E-Food gewöhnen. Über Abo-Commerce mit „normalen Gütern“ habe ich bereits geschrieben. Abo-Commerce-Lösungen, die frische Ware kochfertig zusammengestellt samt Rezept mehrmals die Woche nach Hause liefern, boomen. „Kommt Essen“, einer der ersten Anbieter in Deutschland, beliefert inzwischen ein Dutzend Großstädte und buhlt mit Anbietern wie Unsere Schlemmertüte.de oder Hello Fresh.de  um Kunden. Teilweise mit überaus ähnlichen Konzepten.

Angebot von kommtessen.de

 

„Kommt Essen“ ist eine Tochter von Middagsfrid in Schweden. Deren Umsatz in Skandinavien erreicht mittlerweile rund 10 Millionen Euro.

Auf die Abo-Tüte kommen sicher auch die Logos von Edeka & Co. zum Zug. Wahrscheinlich wäre das die wohl wichtigste vertrauensbildende Maßnahme für die deutschen Verbraucher.

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