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Die Insellösung – Erfolgsmodell mit Zukunft

31.01.2014 | Kommentare
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Schon bei dieser Überschrift wird sich der eine oder andere fragen: „Wird nicht überall behauptet Insellösungen seien ein ineffizientes Auslaufmodell und gehören abgeschafft? Und was ist in einen Multichannel-Blog wie Kanal Egal gefahren, so etwas zu behaupten?“ Insellösungen verhindern doch ein effizientes Datenmanagement und unternehmensübergreifende Prozesse. Und werden sie dafür nicht zu Recht von Fachpresse, Analysten sowie IT-und Managementberatern gleichermaßen gegeißelt? Warum, die Frage muss erlaubt sein, werden dann aber derzeit noch deutlich die Mehrzahl der Projekte in den Bereichen E-Commerce, Contact Center, Mobile und Portal als Insellösungen realisiert? Und warum wird sich daran auch in Zukunft, zum Missfallen eben jener Berater, nur wenig ändern? Und was macht das Erfolgsmodell Insellösung denn aus?


Aus Beratersicht macht das ja alles Sinn: Daten synchronisieren und nach Möglichkeit systemisch zentralisieren, Systeme integrieren und Prozesse über mehrere Systeme hinweg definieren. Alles ganz einfach, dafür gibt es moderne Lösungen, simple Schnittstellen dank Webservices und EAI Tools und natürlich haben Dienstleister immer das große Ganze im Blick. Schnell noch Daten zentralisiert, Prozesse konsolidiert und dann kann die verzahnt-Realtime-synchronisierte SOA Architektur die digitale Unternehmenszukunft retten. Nun betrachten wir das Ganze mal nicht aus der Berater- sondern ganz pragmatisch aus Unternehmensperspektive. Dann hat eine Insellösung zunächst einmal den Charme, der bereits Teil des Wortes ist: Es ist eine LÖSUNG. Kein Workaround und kein Excel, sondern etwas was im Idealfall seinen Zweck erfüllt. Darüber hinaus sprechen einige gewichtige Argumente für eine Insellösung, über die man nicht gern spricht, die aber die Entscheidung zugunsten der Insel (etwas abwertender ist die synonym gebrauchte Bezeichnung Silo) stark beeinflussen.


5 Gründe, sich eine Insel zuzulegen:


1. Angst vor Komplexität
Was ist einfacher zu verstehen: Ein System oder drei vernetzte Systeme? Ein neues ERP System, okay. Aber Multichannel Platform, PIM, CRM, Social Media… die Kombination mit weiteren Systemen erhöht unweigerlich die Komplexität, die auch Manager überfordern kann, die mit der Koordination eines Systems noch sehr gut zurecht gekommen sind. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Camelot Management Consultants unter 150 Top-Managern hat gezeigt, dass 83% die Komplexität in Unternehmen für zu hoch halten und 76% einen weiteren Anstieg der Komplexität befürchten. ,Prozesse und Organisation‘ sowie ,Systeme und Daten‘ werden branchenübergreifend als Haupttreiber genannt. Vor dem Hintergrund wirkt die Entscheidung für das überschaubare Silo nur konsequent.


2. Festhalten am Bestehenden
Insellösungen sind stets historisch gewachsen. Zudem sind Verantwortliche in Unternehmen nicht unbedingt IT-Fans. Das digitale Neuland wird wie eine Vernetzung fördernde Cloud- und Virtualisierungsstrategie als notwendiges Übel empfunden, auf das man sich erst einlässt, wenn es anders nicht mehr geht. Also wird so lange mit bestehenden Systemen und Prozessen festgehalten, bis es eventuell schon zu spät ist.


3. Geringerer Abstimmungsbedarf
Habe ich als Führungskraft meine eigene Insellösung, brauche ich mich bei Anpassungen, Datenbereitstellung und Prozessveränderungen nicht abstimmen. Ich bestimme über Content, Prozesse und hab maßgeblichen Einfluss auf das Angebot. Ich bin gewissermaßen autark und im Rahmen meiner Zielvorgaben mein eigener Herr. Wenn ich mich mit anderen Marken-, Produktlinien- oder Vertriebskanalverantwortlichen abstimmen muss, muss ich doch fürchten an Einfluss zu verlieren.


4. Geschwindigkeit
Ich bin gefühlt schneller. Änderungen müssen nicht abgestimmt werden, ich muss mich nicht nach Datenstrukturen anderer Systeme und Bereiche richten und kann Aktualisierungen an meiner Insel relativ schnell umsetzen lassen.


5. Kosten
Richtiger wäre wahrscheinlich initialer Invest. Dieser fällt bei Insellösungen fast immer niedriger aus, was sie im Rahmen strikter Budgetgrenzen attraktiver macht. Durch oft deutlich höhere Prozesskosten entpuppt sich manche Kalkulation aber schon mittelfristig als Milchmädchenrechnung.


Sicherlich lassen sich noch weitere Argumente pro Insellösung finden, aber diese 5 sollen ausreichen, um zu zeigen, dass viele irren, die der Insellösung einen schnellen Tod bescheinigen. Interessanterweise sind es gerade der Insellösung gegenläufige Trends wie Cloud oder SOA, die sich langsamer in Unternehmen ausbreiten als erwartet. Einer der Gründe hierfür ist sicherlich der andauernde Erfolg der Insellösung. Dass es aus Entscheidersicht durchaus valide Punkte für eine Insellösung gibt, habe ich beschrieben. Dem ist hinzuzufügen, dass es eine ganze Reihe von Usecases gibt, wo Insellösungen die richtige Wahl sind. Zum Beispiel wenn der Grad der benötigten Vernetzung minimal ist oder wenn Lösungsanforderungen in den Bereichen einfach zu divergent und die Integrationsaufwände zu hoch sind.


3 Gründe, die ich nicht mit auf eine Insel nehmen würde:
Soll das nun heißen, dass Berater im Unrecht sind und Unternehmen alles richtig machen? Ganz klar: nein! Genauso gibt es Szenarien (Tendenz steigend), wo Insellösungen versagen müssen, leider aber oft als Lösung gewählt werden.


1. Das Problem ist keine Insel
Wenn ich ein bereichs-, unternehmens- oder kanalübergreifendes Problem lösen muss, kann ich das nicht mit einer Insellösung tun. Wenn ich als Händler beispielsweise Kunden ganzheitlich betreuen möchte, dann muss ich im CRM Daten aus allen Vertriebskanälen erfassen und auswerten können.


2. Zunehmende Digitalisierung
Insellösungen bremsen die digitale Revolution in Unternehmen. Digitalisierung heißt Vernetzung und Insellösungen verhindern eben gerade diese Vernetzung. Als Beispiel vergleiche man nur die Umsetzung einer mobilen Strategie in einem Unternehmen mit konsolidierter Informationsarchitektur und einem Unternehmen voller unterschiedlicher Lösungen, Daten- und Prozessstrukturen. Gleichfalls könnte man Themen wie kanalübergreifendes Bestandsmanagement oder Retourenmanagement als Beispiele anführen.


3. Geschwindigkeit
Klingt paradox, taucht der gleiche Punkt doch schon unter den 5 Gründen für die Insellösung auf. Aus reiner Bereichssicht bin ich mit einer Insellösung durchaus schneller und flexibler unterwegs. Betrachte ich aber mehrere Bereiche oder das gesamte Unternehmen, dann bremsen diverse Insellösungen enorm. Sie verschlechtern die Time-to-market bei der Kommunikation neuer Produkte, erschweren die Einführung effizienterer übergreifender Prozesse und neuer Technologien usw.

Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts als meiner seligen Insel

schreibt Friedrich Hölderlin in Hyperion. Genau diese Denke sollten sich Entscheider aber nicht zu eigen machen, wenn ihnen das Wohl ihres Unternehmens am Herzen liegt. Insellösungen haben in einigen Usecases nach wie vor ihre Sinnhaftigkeit. Im Zuge moderner Technologien und der zunehmenden Digitalisierung als Solches wird der Bedarf nach vernetzen, ganzheitlicheren Lösungen aber weiter zunehmen. Herausforderungen machen nicht vor organisatorischen Grenzen halt, sie wollen übergreifend betrachtet, angegangen und gelöst werden.

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