Der „Millenium IT-Leiter“ – wie Führungskräfte eine erfolgreiche Unternehmensdigitalisierung verhindern.

Oft werde ich gefragt, was denn die größten Herausforderungen einer erfolgreichen Unternehmensdigitalisierung sind. Etwas überrascht werde ich dann angesehen, wenn ich den „Millenium IT-Leiter“ als einen der größten Hinderungsgründe nenne. Dabei liegt diese Schlussfolgerung auf der Hand, zumindest für jemanden, der bereits mit dutzenden Unternehmen zur digitalen Transformation diskutiert hat und dabei erleben musste, wie selbst die gewinnbringendsten Vorschläge an eben dieser Persona abgeperlt sind.

In diesem Beitrag möchte ich deshalb aufzeigen, wieso der „Millenium IT-Leiter“, meiner Meinung nach, immer wieder einer erfolgreichen Digitalisierung im Wege steht. Gleichzeitig möchte ich aber auch zeigen, wie moderne CIOs als „Enabler“ des digitalen Wandels agieren und somit als Vorbild für eine Transformation des „Millenium IT-Leiters“ dienen können.

Warum stellt der „Millenium IT Leiter“ für Unternehmen überhaupt ein Problem dar?

Die Antwort auf diese Frage offenbart sich mir immer dann, wenn ich sehe, welche Bedeutung eine erfolgreiche Digitalisierung hat und was engagierte IT-Leiter hier voranbringen können. Untermauert werden meine eigenen Eindrücke dabei immer wieder durch aktuelle Branchenstudien. Ein gutes Beispiel hierfür ist die etventure StudieDigitale Transformation 2018“. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Vorreiter nicht nur um bis zu 50 Prozent schneller wachsen als der Wettbewerb, sondern darüber hinaus auch noch um bis zu 30 Prozent profitabler sind. Des Weiteren erfreuen sie sich unter anderem einer erhöhten Kundenloyalität, halbierter Prozesskosten sowie sinkender Zykluszeiten. Die Fakten belegen also: Wer sich heutzutage auf den Märkten behaupten und dauerhafte Wettbewerbsvorteile erzielen möchte, muss die Bedeutung der Digitalisierung erkennen und entsprechend ihrer vielfältigen Anforderungen agil handeln. Meine Erfahrung zeigt hier, dass dies in der Praxis nur von engagierten IT-Leitern geleistet wird.

Zusätzlich führt die besagte Studie neben der „Verteidigung bestehender Strukturen durch Mitarbeiter im Unternehmen“ auch eine „mangelnde Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen“ als zentrale Digitalisierungshürden in Unternehmen an – diese und weitere Attribute stelle ich immer wieder auch als eindeutige Erkennungsmerkmale von „Millenium IT-Leitern“ fest. Somit wird deutlich wieso es für Unternehmen wichtig ist die Bremskraft dieser Persona in ihrer Gesamtheit zu verstehen und entsprechend zu handeln.

Datenbanken, AS400 und DSGVO Wie bremst ein „Millenium IT-Leiter“ den digitalen Wandel aus?

Zunächst kann hier, vielleicht ein wenig überraschend, seine langjährige Betriebszugehörigkeit angeführt werden. Natürlich schadet Berufserfahrung grundsätzlich nie und auch seine enormen Verdienste um das eigene Unternehmen dürfen nicht unerwähnt bleiben. Man bedenke hier nur, dass er während der Jahrtausendwende als digitaler Pionier hauptverantwortlich für die Umstellung der Systeme gewesen ist und somit den Weg hin zum digitalen Zeitalter geebnet hat. Dennoch muss ich immer wieder beobachten, wie diese Verdienste und Erfolge der Vergangenheit sein gegenwärtiges Denken und Handeln blockieren. So hält der klassische „Millenium IT-Leiter“ meist an altgedienten Methoden und festgefahrenen hierarchischen Strukturen fest, während die Digitalisierung aber das genau Gegenteil von Organisationen abfordert. Ohne eine agile Denk- und Arbeitsweise sowie der Bereitschaft sich einem ständigen organisationalen Wandel auszusetzen, wird kein Unternehmen eine erfolgreiche digitale Transformation vollziehen können.

Hinzu kommt, dass diese eingefahrenen Denk- und Handlungsmuster durch seine persönliche technische Expertise noch verstärkt werden. So erlebe ich immer wieder IT-Leiter, die die Systeminfrastruktur an allen Standorten bis ins Detail kennen und wissen welches Device mehrere tausend Mitarbeiter haben. Nicht selten können sie die älteren Modelle sogar noch selbst reparieren. Sie sind exzellent darin, für ein reibungsloses Funktionieren von Soft- und Hardwarekomponenten zu sorgen, dass der heutige Unternehmenserfolg aber von der Integrationsfähigkeit dieser Komponenten abhängt wird dabei oft vergessen.

Auch Themen wie IT-Strategie, Governance und Digital Adoption sind für den „Millenium IT-Leiter“ meist Neuland. Folglich reagiert er auf diesbezügliche Nachfragen auch so, wie es wahrscheinliche viele von uns in unangenehmen Situationen tun würden und antwortet mit einem schlichten „haben wir alles“. Diese Abwehrhaltung mag vielleicht kurzfristig über Unsicherheiten hinweghelfen, auf lange Sicht ist sie aber der sichere Weg in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit.

Dass der „Millenium IT-Leiter“ generell eher zögerlich auf digitale Innovationen reagiert, äußert sich auch darin, dass er konsequent an Datenbanken festhält. Natürlich muss die immer größer werdende Datenmenge in Unternehmen beherrschbar bleiben, allerdings könnte man hier mit viel effizienteren Lösungen arbeiten. Mithilfe von cloudbasierten CRM-Systemen, die meist auch gleich ein userfreundliches Interface bereitstellen, lässt sich hier beispielsweise die Entstehung sinnloser Datengräber in Siloform vermeiden. Zusätzlich wird so außerdem auch das Potenzial einer zielgruppenspezifischen Datensammlung und -aufbereitung nutzbar gemacht.

Ebenso muss ich immer wieder feststellen, dass viele dieser speziellen IT-Leiter kein visualisiertes Gesamtbild ihrer IT-Architektur und keine einheitliche Prozessdokumentation vorweisen können oder wollen. Auch so werden, meiner Meinung nach, wertvolle Optimierungspotenziale verschenkt.

Zuvor sprach ich außerdem davon, dass der „Millenium IT-Leiter“ oftmals die Integrationsfähigkeit seiner Lösungen aus dem Blick verliert. Dies offenbart sich auch darin, dass mir in gemeinsamen Projekten immer wieder der Nutzen von Schnittstellen kundgetan wird. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, schwierig wird es nur, wenn es sich hierbei um Branchenlösungen handelt, die der Hersteller nicht mehr unterstützt. Dadurch hängt der Erfolg von etwaigen Projekten hauptsächlich vom Fachwissen des „Millenium IT-Leiters“ ab. Statt also ein produktives Arbeiten zu fördern, erzeugen die besagten Schnittstellen einseitige Abhängigkeiten und mindern damit in gehörigem Maße die Projektperformance.

Noch deutlicher wird der Bremseinfluss von „Millenium IT-Leitern“, wenn man seine Lösungen aus Kundenperspektive betrachtet. So muss ich oft erleben, dass ihn kundenzentrische Ansätze und das Thema Customer Journey bisher kaum überzeugen konnten. In Anbetracht dessen ist es dann fast schon logisch, dass die gesamte Customer Experience ausschließlich auf das Frontend-Layout reduziert wird. Den Kunden als zentralen Erfolgsfaktor von Unternehmen aber so zu vernachlässigen, kann, meiner Meinung nach, auf lange Frist niemals erfolgreich sein.

Darüber hinaus legt der „Millenium IT-Leiter“ wenig bis keinen Wert auf die Abstimmung mit anderen Fachbereichen. Nicht selten sind somit auch die meisten Anwendungs- oder Entwicklungsprojekte schon vor dem eigentlichen Start zum Scheitern verurteilt.

Eine zielgerichtete unternehmensinterne Zusammenarbeit findet mit dem „Millenium IT-Leiter“ also eher selten statt. Doch gilt das Gleiche für externe Kooperationen? Kann er sich vielleicht für eine Zusammenarbeit mit innovativen Startups begeistern? Auch hier zeigt meine Erfahrung leider, dass dies selten Option für ihn darstellt. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass schlechte Liquiditätsauskünfte abschreckend wirken können, allerdings braucht eine erfolgreiche Digitalisierung auch Mut. Hier wäre es meines Erachtens nach wichtig, einen Kompromiss zwischen IST und KANN zu finden. Innovative Ideen mit Zukunftspotenzial sind schließlich die Grundlage für dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit.

Dass der „Millenium IT-Leiter“ aber auch durchaus seinen Finger am Puls der Zeit haben kann, zeigt sich bei Themen wie der DSGVO sowie jeglichen Datenschutz- und Securityverordnungen auf nationaler und europäischer Ebene. Dies führt dann nur leider dazu, dass Vorschläge z.B. für effiziente Cloud-Lösungen an etwaigen richterlichen Beschlüssen oder Gesetzen scheitern. Natürlich müssen Themen wie Datenschutz und Security fester Bestandteil einer jeden IT Strategie sein. Schließlich wächst mit der zunehmenden Digitalisierung auch das Gefahrenpotenzial für Unternehmen. Dabei entstehen völlig neue Anforderungen an die IT-Sicherheit, die weit über die klassische Perimeterverteidigung hinausgehen. Die Bedeutung des Themas spiegelt sich dementsprechend auch in den Ausgaben von Unternehmen für die Prävention, Erkennung und Reaktion im Rahmen der IT-Sicherheit wider:

Quelle: Capgemini

Dennoch ist es auch hier, meiner Meinung nach, wichtig die richtige Balance zu finden. Denn Sicherheit und die damit einhergehende Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sollten einer erfolgreichen Digitalisierung niemals im Wege stehen, sondern sie vielmehr aktiv unterstützen.

Der moderne CIO als Vorbild – wie aus dem „Millenium IT-Leiter“ ein „Enabler“ der digitalen Transformation wird

Am Anfang des Artikels sprach ich bereits von meinen Erfahrungen mit engagierten IT-Leitern, die verstanden haben, worauf es in der Digitalisierung ankommt und dementsprechend erfolgreich agieren. Die nachfolgenden Aspekte sollen zeigen, wodurch sich diese auszeichnen und können dabei als Blaupause für eine Transformation des „Millenium IT-Leiters“ verstanden werden.

Zunächst erkennt man den modernen CIO daran, dass er ein Teambuilder und -leader ist. Die Zeiten, in denen ein CIO nur die Unternehmens IT managen musste sind vorbei. Heute steht er, wie auch alle anderen Führungskräfte, in der Erfolgsverantwortung. Um dieser gerecht zu werden, muss er ein kompetentes Team aufbauen und entsprechend der strategischen Unternehmensziele führen.

Dabei muss er ein Team entwickeln, das die reibungslose Integration technologischer Innovationen in bestehende Strukturen ermöglicht und somit Geschäftsabläufe bestmöglich unterstützt.  Gleichzeitig muss dieses Team aber auch in der Lage sein, Innovationen voranzutreiben und dadurch neue Geschäftsfelder für das Unternehmen zu eröffnen. Um dies zu erreichen, agiert der CIO auch stets als Digitalisierungslead innerhalb des gesamten Unternehmens, der die fruchtbare Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche proaktiv forciert, fördert und koordiniert.

Als „Enabler“ der digitalen Transformation bettet er dabei etwaige Projekte in einen ganzheitlichen Unternehmens – und Marktkontext ein, formuliert entsprechende Ziele und schreitet bei der Umsetzung mit gutem Beispiel voran.

Konkret bedeutet dies, dass der moderne CIO zunächst eine Vision für sein Team formuliert und anschließend eine Kultur kreiert, in der diese erfolgreich umgesetzt werden kann. Die Vision dient dem Team dabei als Motivation und Inspiration, während die Kultur für ein positives und innovationsförderliches Arbeitsklima sorgt. So lässt ein moderner CIO seinen Mitarbeitern stets genügend Freiraum für Selbstentfaltung und kreative Lösungsansätze aber gleichzeitig auch für Fehler. Die Devise lautet hier: Nur aus Fehlern kann gelernt werden und dieser Lernprozess führt letztlich zu Innovationen und gesteigerter Unternehmensperformance. Zusätzlich ist es außerdem essentiell, dass der CIO in immer komplexer werdenden IT-Projekten als Vorbild auftritt. Durch Authentizität, Verlässlichkeit und Integrität gewinnt er dabei das Vertrauen seines Teams. Nur so entsteht final eine leistungsstarke Einheit, die gemeinsam auf die Erreichung der Unternehmensziele hinarbeitet.

Ein letztes entscheidendes Abgrenzungsmerkmal zum „Millenium IT-Leiter“ ist die Tatsache, dass der moderne CIO sein Handeln stets am entscheidenden Erfolgsfaktor des Unternehmens orientiert – dem Kunden! Mithilfe von kundenzentrischen Ansätzen und Methoden, entwickeln er und sein Team schließlich marktgerechte Lösungen. Im Anschluss daran sind sie außerdem in der Lage, diese Lösungen zielgruppenspezifisch zu kommunizieren und schaffen somit die Grundvoraussetzung für einen anhaltenden Geschäftserfolg.

Rocco-Mario Radke
Über Rocco-Mario Radke 6 Artikel
Rocco-Mario Radke verantwortet die Digital Business Consulting Einheit in der T-Systems Multimedia Solutions GmbH und ist seit über 10 Jahren Experte in der Marketing- und Vertriebsdigitalisierung. Mit seinem Team berät er namhafte Kunden zu strategischen wie auch spezifischen Herausforderungen der Digitalen Transformation. Rocco-Mario ist Blogger und spricht regelmäßig auf Konferenzen über Best Practices und aktuelle Entwicklungen.

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