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Buchhandel: Zwischen Papier und eBook

17.10.2013 | Kommentare
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Der Buchhandel ist sicherlich eine der Branchen, die am Stärksten vom Wachstum der digitalen Welt betroffen ist, um nicht zu sagen darunter leidet. Die Bestellung von Büchern im Internet boomt und gleichzeitig verändert sich langsam das Leseverhalten hin zum digitalen Lesen von eBooks. Diese machen aktuell nur 2,4 Prozent des Buchmarktes aus, allerdings wollen 84 Prozent der Verlage künftig in den E-Book-Markt einsteigen. Da scheint es nicht verwunderlich, dass das klassische Buchgeschäft in Bedrängnis gerät und in den letzten Jahren immer wieder von Schließungen stationärer Geschäfte in der Buchbranche die Rede war, egal ob nun bei Thalia, Hugendubel oder Weltbild. Eben noch waren sie selbst die Verdränger kleiner Buchläden und nun gehören sie zu denjenigen Buchhändlern, die auf Grund von Umsatzabwanderung ihre Filialflächen verkleinern oder sogar aufgeben müssen. Aktuell ist nun wieder die Douglas-Tochter Thalia betroffen, welche im Zuge ihrer Umstrukturierungsmaßnahmen doch mehr Filialen als geplant schließen muss. Gibt es also überhaupt noch eine Chance für die stationären Geschäfte oder werden Kunden ihre Bücher zunehmend online bestellen oder downloaden?


Tolino als Antwort auf Kindle
Der stationäre Buchhandel hat mit fallenden Umsätzen zu kämpfen und das nun schon im dritten Jahr in Folge. Neue Strategien und innovative Ideen müssen her, damit die Buchhändler langfristig auch gegen Unternehmen wie Amazon bestehen können ohne auf Umsätze, Filialen und Mitarbeiter zu verzichten. Eine dieser Strategien ist sicherlich die Kooperation der Konkurrenten Weltbild, Thalia, Hugendubel, Club Bertelsmann und der Deutschen Telekom als Technologie-Partner. Deren gemeinsamer eReader tolino shine wurde im März 2013 auf den Markt gebracht und ist trotz aller begründeten Skepsis seinem amerikanischen Vorbild mittlerweile dicht auf den Fersen. So besitzt der tolino shine schon jetzt einen Marktanteil von 33 Prozent am Geschäft mit digitalen Büchern in Deutschland.


Kombination aus klassisch und digital in Form neuer Filial- und Cross Channel-Konzepte
Doch ein eReader allein reicht natürlich nicht aus, um die angeschlagenen Buchhändler zu retten. Das Geschäft mit den digitalen Büchern bietet allerdings die Möglichkeit verschiedene Vertriebswege miteinander zu verzahnen und wieder Wachstum zu generieren und Kunden zu locken. Eine besonders wichtige Stellung kommt dabei der Filiale zu. So kann eine Umstrukturierung der Filialen sinnvoll sein, indem beispielsweise Kiosksysteme errichtet und digitale Inhalte oder eBook-Reader offensichtlicher in das Filialkonzept untergebracht werden. Mit Hilfe eines Kiosksystems können Kunden dann zum Beispiel im Geschäft online Informationen suchen und Bücher kaufen. Auch QR-Codes lassen sich in den Filialen z.B. an den Bücherregalen integrieren und erlauben damit ebenfalls neue Möglichkeiten der Kanalintegration und mobilen Bezahlung. Somit kann dem Kunden die freie Wahl zwischen dem physischen und digitalen Produkt gelassen werden und der Handel profitiert vom Umsatz durch Mehrkäufe. Auch die Neuausrichtung von Thalia greift einige der genannten Punkte auf. So soll der Fokus im Stationärhandel neben dem Buch nun auch auf andere Warengruppen wie DVD’s, CD‘s und Spielwaren gelegt werden. Das digitale Lesen soll in den Vordergrund rücken mit Hilfe sogenannter eReading-Bereiche, die in den Filialen geschaffen werden. Laut der Pressemitteilung vom 25.09.2013 von Thalia hat die bisherig Neuausrichtung vor allem im Bereich eBooks schon zu einer Steigerung des Umsatzes geführt. Es bleibt abzuwarten wie die weitere Zukunft der Douglas-Tochter aussieht. Viele Ansätze klingen vielversprechend, die Filialschließungen und Verluste in den letzten Jahren sind jedoch noch nicht überwunden.


Fazit ist, dass im modernen Buchhandel physische und digitale Bücher sowohl in den Filialen als auch im Online-Handel ihren festen Platz bekommen müssen. Kunden möchten hier die freie Wahl haben – egal in welchem Vertriebskanal. Sicherlich werden die Filialen nie gänzlich ihren Charme für Kunden verlieren, die Fan von persönlicher Beratung und dem neugierigen Blättern in klassischen Printerzeugnissen sind. Um als Buchhändler aber nicht in eine Nische gedrängt zu werden müssen auch die „digitalen Kunden“ zufriedengestellt werden. Deshalb ist eine Integration der Vertriebskanäle ausschlaggebend für den Stationärhandel. Die Neuausrichtung der Filialen stellt einen wesentlichen Bestandteil für die Zukunft des klassischen Buchhandels dar. Denn nur mit einer kanalübergreifenden Integration kann sich dieser künftig gegenüber Online-Buchhändler wie Amazon und Co. behaupten.

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