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Adidas boykottiert E-Commerce Plattformen Amazon & Ebay

    12.07.2012 | Kommentare
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    Der Sportartikelhersteller Adidas verbietet seinen Händlern künftig den Verkauf über Onlineplattformen wie Amazon oder Ebay. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Produkte über die Webseiten unserer Handelspartner oder unsere eigene Webseite verkauft wird“, bekräftigte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch in Herzogenaurach einen entsprechenden Bericht des Brancheninformationsdienst „Markt intern“. Für diese zugelassenen Handelsseiten gelten detaillierte Vorschriften; nur dort werde die Ware angemessen präsentiert, erläuterte die Sprecherin.

    Der Streit um Adidas und seinen Boykott von offenen Handelsplattformen wie Amazon und Ebay könnte sich zu einem grundsätzlichen Konflikt zwischen Markenherstellern und E-Commerce-Anbietern auswachsen. Viele Hersteller fürchten anscheinend, im Internet verramscht zu werden.

    Die relevante Rechtsgrundlage für die Bewertung ist die im Juni 2010 beschlossene Neufassung der Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Wettbewerbsbeschränkungen der EU, deren Auswirkungen auf den E-Commerce in begleitenden Leitlinien spezifiziert ist. Danach ist der Ausschluss reiner Online-Händler im Rahmen eines selektiven Vertriebssystems unter bestimmten Umständen möglich. Auch ist es erlaubt, qualitative Kriterien, etwa an die Gestaltung einer Website, zu stellen.

    Die neue Behandlung von Adidas- wie Reebok-Produkten besteht europaweit spätestens ab 2013. „Grundsätzlich ist das Aus für Amazon und Ebay aus Sicht des Fachhandels positiv, da diese Plattformen kaum das richtige Umfeld für beratungsintensive Markenprodukte bieten“, kommentierte „Markt intern“-Experte Marcel Rotzoll. Eine ähnliche Strategie hatte Adidas bereits beim stationären Handel umgesetzt und etwa den Vertrieb über Einzelhandelsketten eingestellt.

    Dass dem Konzern dadurch Umsätze abhandenkommen, glaubt man bei Adidas nicht. „Die Kunden ja haben die Möglichkeit, in den Online-Shops unserer Handelspartner zu bestellen“. Dort sei gewährleistet, dass die Waren in einer entsprechenden Umgebung präsentiert werden, dass „der Tiefe und Breite des Sortiments“ entspreche. Das sei so für die Zielgruppen am geeignetsten.

    Geeignet ist diese Entscheidung am Ende wohl am ehesten für die Adidas-Handelspartner, die sich mit ihren eigenen, teils verwaisten Online-Shops über die Bestellungen von Kunden freuen, die Fußballschuhe und Jogginghosen nicht mehr bei Amazon oder Ebay kaufen können.

    Adidas ist nicht der erste Markenhersteller, der seinen Händlern die Vertriebswege im Internet diktieren will. Doch meist hatten solche Vorgaben nicht lange Bestand. Bereits 2009 hatte der Schulranzen-Hersteller Scout seinen Händlern verboten, die Markenware über Ebay zu verkaufen. Das Berliner Landgericht entschied damals, dass eine Belieferung nicht verweigert werden kann, weil ein Produkt anschließend über Ebay gehandelt wird. Eine solche Vorgabe sei wettbewerbswidrig. Wie es nun im Fall Adidas ausgeht werden wohl auch wieder die Gerichte entscheiden oder vielleicht am Ende sogar der Kunde.

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