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Stationäre Filiale war gestern: Bald kaufen wir am Point of Experience! – Internet of Things im Handel

23.05.2017 | Kommentare
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Es klingt verlockend: Der stationäre Handel kann seinen Kunden kennenlernen und jede seiner Aktionen erkennen, interpretieren und ihn somit ganz individuell ansprechen. Klingt wie Zukunftsmusik? Das Internet of Things macht es möglich! Und das bereits heute.

Unternehmen geben viel Geld für Marktforschung aus und wissen dennoch nicht im Detail, wie ihr Konsument sich in der Filiale verhält. Wann kauft welcher Konsument was? Und wie lassen sich die Informationen im Kontext zu Werbemaßnahmen nutzen? Der stationäre Handel kämpft seit Jahren gegen den Onlinehandel. Besonders in kleineren Städten und ländlichen Gegenden ist ein Ladensterben zu beobachten. Das Internet of Things wurde in den letzten Jahren vor allem mit der Industrie verbunden – doch genau in diesem liegt nun eine der größten Chancen für den stationären Handel, sich gegenüber dem Onlinehandel zu behaupten. Das Internet of Things scheint eine der Kernproblematiken des stationären Handels lösen zu können: Was will der Kunde? Wie entscheidet der Kunde? Und wie reagiert er auf Produktvorschläge und Angebote am Point of Sale? Online ist es ein leichtes, das Kundenverhalten zu tracken und Antworten auf diese Fragen zu finden – der stationäre Handel hat dazu bald jedoch auch die Möglichkeit.

Doch wie wird dies nun Realität in einer Filiale? Laut Gartner wird erwartet, dass bis 2020 25 Milliarden Geräte online sind – und das ohne PCs, Tablets und Smartphones! Neben Wearables sind dies dann auch Haushaltsgegenstände wie Kühlschränke und Lampen – und im Kontext Filiale vor allem intelligente Regale.


(Quelle)

Die Königsklasse der modernenn, vernetzten Filiale stellt der IoT-Store da – ein Konzept, wie Amazon es aktuell mit Amazon Go umsetzt. Der Kunde betritt die Filiale, nimmt die Produkte, die er kaufen möchte, aus dem Regal, legt diese in seinen Einkaufskorb – und verlässt den Laden einfach, wenn er seinen Einkauf abgeschlossen hat. Ohne lästiges Warten an der Kasse und Bar- oder Kartenzahlung. Jede Aktion des Kunden wird im Laden u.a. von Sensoren und Kameras sowie dahinterliegenden Algorithmen verarbeitet. Der Kunde legt eine Ware zurück ins Regal? Das System nimmt das Produkt wieder aus dem virtuellen Einkaufskorb. Hier entstehen bei einem noch nicht ganz ausgereiften System jedoch Probleme: Amazons Go kommt bereits bei 20 Kunden im Laden an seine Grenzen. Wenn zwei Kunden dicht beieinander vor einem Regal stehen – welcher hat dann das Produkt zurückgelegt? Aus welchem Einkaufskorb wird es also wieder entfernt? Auch die generelle Ortung und Zuordnung wird hier zu stark fehlerbehaftet. Bis ein solches System marktreif und fehlerfrei funktioniert, wird also noch einiges an Zeit vergehen.

Was gibt es also aktuell für Alternativen? In aller Munde sind aktuell intelligente Warenregale. Diese sind das Herzstück jeder IoT-Strategie im Handel und auch Teil des IoT Stores. Über verschiedene Interaktionsmöglichkeiten werden dem Kunden zahlreiche Mehrwerte geboten, Sensorik, verbaute Waagen und Bewegungstracking erkennen das Verhalten des Kunden, welches durch eine Datenmanagementplattform im Hintergrund ausgewertet wird. Die individuelle Kundenansprache wird gewährleistet, da eine sofortige Anpassung des Angebots auf das erfasste Kundenverhalten erfolgt. Der Kunde kann nun direkt adressiert werden – und der Kunde lernt die Marke aus einem völlig neuen Blickwinkel kennen!

Die Kundenbindung ist aber nicht der einzige Punkt, der durch IoT im Handel verbessert wird. Auch das Filialmanagement wird erkennbar leichter: Geringe Warenbestände vor Ort? Der Kunde steht vor einem leeren Regal? Das passiert nicht mehr – denn die Regale erkennen durch die verbaute Technik, wann welches Produkt zur Neige geht und wann ein Mitarbeiter ein Regal auffüllen muss. Sollte der Warenbestand im Lager eine festgelegte Schwelle unterschreiten, kann eine Nachbestellung ebenso automatisiert ausgelöst werden.

Auch falsch einsortierte Produkte können von den Regalen identifiziert werden und einen Mitarbeiter benachrichtigen. Jedes Produkt ist mit den individuellen Eigenschaften im System hinterlegt – dazu gehört u.a. auch das Gewicht. Anhand dessen sowie optischer Erkennung werden falsch zurückgelegte Produkte leicht identifiziert, wodurch sich der manuelle Aufwand erheblich reduziert. Auch die Preise können für die Filiale sowie ein ganzes Filialnetz automatisiert angepasst werden, z.B. bei Angeboten. Die Schilder händisch durch Mitarbeiter ausgetauscht? Das war einmal.
Dies sind nur ausgewählte Szenarien – zeigen aber die Bandbreite der Vorteile eines IoT Einsatzes im Filialnetz sehr gut auf. Händler sparen so erheblich an Kosten und Zeit, können sich dabei ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

All das finden wir aktuell jedoch in kaum einer Filiale vor, obwohl die Technik für einen solchen Einsatz bereits ausgereift ist. Liegt dies an der fehlenden Akzeptanz der Kunden oder der Zurückhaltung der Filialhändler? Datenschutz und –verarbeitung sind in diesem Szenario für den Kunden die größte Problematik – die Bereitschaft, seine Daten zur Verfügung zu stellen, steigt mit offen kommuniziertem Mehrwert für den Kunden. Doch auch auf Händlerseite fehlt häufig noch die Erfahrung, vorhandene Daten wirklich effizient nutzbar aufzubereiten und zu verarbeiten. Da sich viele gerade erst mit den grundlegenden Möglichkeiten der Datenverarbeitung und maschinellen Vernetzung auseinandersetzen, wird noch einige Zeit vergehen, bis wir vor Ort im Internet of Things einkaufen.

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