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Die Verbesserung des Gesundheitssystems – E-Health

23.03.2017 | Kommentare
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Wer kennt sie nicht, die überfüllten Warteräume der Arztpraxen? Mit vielen hustenden und schniefenden Leuten sitzt man da, nicht selten eine halbe Stunde oder sogar länger, um im Anschluss von der hektischen Sprechstundenhilfe einen kleinen Zettel in die Hand gedrückt zu bekommen – die Überweisung an den Facharzt. Dort angekommen wartet man wieder, bekommt danach erneut einen Zettel von der Arzthelferin – diesmal ist es ein Rezept. Also ab in die Apotheke, an der nächsten Warteschlange anstellen…
Wie praktisch wäre es, wenn man sich all diese Wege und damit viel Zeit sparen könnte? Wenn der Facharzt unser Krankheitsbild schon kennen würde, bevor wir überhaupt bei ihm waren und unsere Medikamente schon bereitstehen würden, bevor wir die Apotheke betreten? Die digitale Transformation könnte es den Menschen bequemer machen – das Stichwort lautet E-Health.

E-Health steht für die Digitalisierung des Gesundheitswesens und für die Unterstützung der Medizin mit all ihren Dienstleistungen und Prozessen durch elektronische Hilfssysteme. Eine wichtige Neuerung gegenüber dem herkömmlichen System stellt die schnelle und smarte Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen miteinander dar.


Der Einsatz der herkömmlichen Patientenakte, von jedem Arzt mit handgeschriebenen, teilweise missverständlichen Notizen verstehen, birgt einige Nachteile. Hier die zwei größten:

1. Incomplete
Nur selten notiert jeder Arzt alle Details zum Gesundheitszustand des Patienten in dessen Akte – sei es aus Zeitgründen oder weil es zu umständlich ist, alles per Hand festzuhalten. Das hat zur Folge, dass die Patientenakten unvollständig sind und Informationen, die für einen anderen Facharzt gegebenenfalls wichtig und hilfreich für die Diagnose eines Krankheitsbildes wären, verloren gehen.

2. Inconsistent
Die Inkonsistenz der Patientenakten folgt aus ihrer Unvollständigkeit. Verschiedene Ärzte notieren unterschiedliche Befunde, weil ihnen nötiges Vorwissen fehlt. Auch eine schlichtweg unleserliche Handschrift macht es Ärzten manchmal schwer, an die Arbeit ihrer Kollegen anzuknüpfen.


Die digitale Gesundheitsakte soll künftig eine einheitliche digitale Plattform bieten, auf der Patientendaten gespeichert werden und auf die Ärzte, Pfleger, Patienten und Krankenkassen Zugriff haben. Die oben beschriebenen Probleme gibt es dann nicht mehr. Ziel ist es, mehr Transparenz herzustellen, Arbeitsprozesse zu beschleunigen und vor allem den Patienten aktiv in seinen Genesungsprozess zu involvieren.

Transparenz
…bedeutet in diesem Zusammenhang aber nicht, dass die ärztliche Schweigepflicht vernachlässigt wird und jeder Beliebige Zugang zu dem gesundheitlichen Zustand des anderen erhält. Transparenz bedeutet, dass alle am Genesungsprozess beteiligten Akteure auf dem gleichen Informationsstand über das Befinden des Patienten sind. Jeder von ihnen kann jederzeit, unabhängig von ihrem Aufenthaltsort auf die Gesundheitsakte zugreifen, sie einsehen oder Veränderungen vornehmen. Alle wissen über alles Bescheid.
Die Übermittlung der Daten über das Internet unter Einbeziehung von Smart Devices stellt allerdings gerade das Gesundheitswesen vor eine große Herausforderung. Sensible Patientendaten müssen mit großem Aufwand gesichert und vor dem Missbrauch durch Dritte geschützt werden. Blockchains könnten es in Zukunft ermöglichen, diese Herausforderung zu bewältigen. Die „Blockketten“ sind Protokolle für digitale Transaktionen zwischen zwei oder mehr Parteien, die jede Veränderung transparent erfassen können. Veränderungen an diesem Protokoll kann nur der vornehmen, der die nötigen Zugangsdaten zur Blockchain-Software besitzt.

Die Blockchains finden unter anderem Anwendung in neuen Modellen der Krankenversicherungen. Diese nutzen das IoT, um Verträge mit ihren Kunden smarter zu gestalten und ihnen so einen ansprechenderen Service bieten zu können. Beispielsweise können diese Verträge automatisch angepasst, oder Prämien an den Kunden ausgezahlt werden, wenn ein bestimmter Grenzwert erreicht ist. Sowohl Versicherer als auch Versicherter haben jederzeit Zugriff auf den Vertrag und können einvernehmlich Änderungen daran vornehmen. Damit einher gehen eine immense Ersparnis an Papier, Zeit und Geld. Dokumente müssen nur noch in digitaler Form „eingelagert“ werden.


Aktive Einbindung des Patienten und Prozessbeschleunigung
Verknüpft werden können die Verträge auch mit Gadgets zum Health Monitoring oder Fitness-Apps die dem Kunden von seiner Versicherung zur Verfügung gestellt werden. Gekoppelt an Devices wie beispielsweise Smartwatches oder Google-Brillen kann der Gesundheitszustand 24/7 getrackt werden. So kennt der Versicherer den Patienten samt seines Gesundheitszustandes und seiner Lebensführung ganz genau und kann darauf reagieren. Dies gilt nicht nur für Versicherungen sondern auch für Ärzte und nicht zuletzt für den Patienten selbst. Er kann selbstständig seine Vitalwerte kontrollieren und frühzeitig zum Arzt gehen, um dem Ausbruch einer Krankheit vorzubeugen. Ist die App mit der digitalen Gesundheitsakte des Patienten gekoppelt, so ist der behandelnde Arzt direkt in Kenntnis, wodurch die Zeit für Voruntersuchungen eingespart werden kann. Auch die Einbindung des IoT ist maßgeblich für eine effektive Beschleunigung des Behandlungsprozesses. Denn durch die Auswertung von Suchanfragen kann Google beispielsweise den Verlauf von Grippe-Epidemien vorhersagen oder gefährliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten eher erkennen als jede Behörde.


Kundenbindung
Durch das Anbieten von Apps und ähnlichen interessanten Anwendungen können sich Versicherer von ihrer Konkurrenz abheben und Kunden gewinnen. Die beschriebenen interaktiven Prozesse zwischen Versicherung und Versichertem sind noch relativ „frisch“ auf dem Markt und können in Kombination mit einer kommunikativen, gut aufgestellten Kundenberatung einen großen Mehrwert für das Unternehmen darstellen. Allerdings sollte man schnell reagieren, denn gerade bei Gesundheits-Apps gibt es ein extrem breit gefächertes Angebot, welches in kürzester Zeit weiterentwickelt und verbessert wird.
Wichtig ist für die Anbieter dabei, sich nicht im Detail zu verlieren, sondern dem Kunden nur die Angebote zur Verfügung zu stellen, die er auch wirklich braucht und nutzt. Eine gründliche Kundenanalyse ist deshalb die Grundlage für die Einführung neuer Services. Diese sollten dann vor allem durch ihre Qualität bestechen – hängt sich die App ständig auf oder macht Fehler bei der Dokumentation von Vitalwerten, wird der Kunde schnell den Spaß daran und somit eventuell auch das Interesse an der Versicherung verlieren.


E-Health hat allerdings nicht nur Vorteile. Zu den Nachteilen zählen z.B. die Probleme im Datenschutz. Trotz Anwendungen wie Blockchains könnten viele Patienten Angst um ihre personenbezogenen Daten haben. Außerdem wird die Einführung der digitalen Gesundheitsakte sehr aufwändig sein. Neben einer Chipkarte werden in sämtlichen Arztpraxen und Krankenhäusern die Anschaffung von zugehörigen Lesegeräten, Softwaren usw. anstehen. Damit verbunden sind erst einmal hohe Kosten und die Frage danach, wer diese übernimmt.


Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bedeutet in erster Linie sich mit der Umwelt zu vernetzen. Dabei werden große Datenmengen erfasst und den verschiedenen Stakeholdern anschließend wiederum zugänglich gemacht. Für die Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie entstehen dadurch große Potenziale, Kosten zu senken und die Entwicklung neuer Therapieansätze sowie eine einheitliche und vollständige Patientenversorgung voranzutreiben. Risiken der digitalen Transformation, wie beispielsweise datenschutzrechtliche Aspekte bei der Datenverwertung von Patienten sind vorhanden, können aber durch Anwendungen wie Blockchains gemildert werden. Im Fokus des Digitalisierungsprozesses steht der gesunde oder kranke Mensch an sich. Neben der Kostenersparnis sind Transparenz und Prozessbeschleunigung die wichtigsten Ziele.
Die Chancen für Anbieter von Krankenversicherungen liegen vor allem in den Angeboten aus dem Bereich des Gesundheitsmonitoring. Apps, die den körperlichen Zustand der Kunden tracken, bieten im Wettkampf einen großen Mehrwert.

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